Über simonebrand

Pirat, Psychologin, Kommunikationsjunkie, Chomsky und R.A.Wilson Fan, Endverbraucher und betroffener Bürger

ICH ZIEHE UM

Der Brandsaetze-Blog bekommt eine neue Adresse. Unter blog.brandsaetze.info findet ihr ab sofort mein erweitertes Blog. Ist auch noch nicht ganz komplett, aber wächst.

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Nur 3 Termine dieses Jahr – was haben wir gelacht!

Ja, ja es war schon lustig mit diesem Sportausschuss! Wir hatten von diesem eher geruhsamen Ausschuss schon einiges gehört: Gesetzte Alt-Herrenrunde mit nicht wirklich vielen Themen über das Jahr, gelegentlich begehrt wegen möglicher Einladungen zu Sportevents.
Aber richtig gelacht haben, als die Termine für 2012 veröffentlicht wurden. Es sind sage und schreibe noch derer drei. Ha, was für ein Ausschuss dachte ich und ich denke vielen der anderen Abgeordneten ging es ähnlich.
Ich hatte für mich und meine Ausschüsse schon den festen Wochenstundenplan im Kopf: Montags Vorstandsitzung, Dienstag Fraktionssitzung und ab Dienstagnachmittag dann Ausschusssitzungen bis Donnerstagabend.Auf jeden Fall wollte ich auch versuchen an möglichst vielen Sitzungen teilzunehmen in den Ausschüssen in denen ich nur stellvertetendes Mitglied bin. Die Woche war so für mich durchgeplant, hinzukommend dann noch die zahlreichen Abend- und Wochenendtermine – viel, aber leistbar.
Heute habe ich die Termine für meinen KULNV (Klima, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz) bekommen…..es sind insgesamt 4 (in Worten „vier“) Termine in diesem Jahr.
Ich hätte natürlich in die Termine der letzten Legislaturtermine schauen können, um zu sehen, wie spärlich getagt wird, darauf bin ich aber gar nicht erst gekommen – in meinem Kopf gab es bis heute die felsenfeste Vorstellung, daß die großen Ausschüsse wöchentlich, mindestens jedoch aber 14-tägig zusammenkommen.
Man, so ist doch kein Vorankommen Leute!
In den Auschüssen findet die eigentliche politische Arbeit statt, ansonsten bleiben uns große und kleine Anfragen und natürlich Gesetzesvorlagen, welche durch monatelange Lesungstermine gehen.
Ich bestreite nicht, daß die Legislative mit Bedacht vorgehen sollte, aber das Tempo was hier vorgegeben wird, spottet dem Begriff „Tempo“ per se.
Wir verdienen hier gutes Geld und dafür sollte das ganze Parlament auch richtig reinklotzen! Unser Ziel kann es jetzt nur sein möglichst viele Initiativen und Gesetzesvorlagen einzubringen um den ganzen Betrieb mehr auf Trab zu bringen und die Di/Mi/Do Parlamentarier in die Aufgaben zu zwingen – und dazu gehören nicht die Schnittchenevents am Abend. Diese sind sicher wichtig zum Austausch und Kontaktpflege, aber das ist das Extra oben drauf – gearbeitet wird im Landtag Punkt!

Euer Satellit bewegt etwas

Es ist viel passiert in den letzten Wochen:
Viele von uns haben bereits ihre Jungfernreden gehalten, obwohl der eigentliche Politikbetrieb erst nach der Sommerpause losgeht.
meineRede
Der Aufbau der Fraktion schreitet gut voran, das Presseteam steht, einige Fachreferenten sind eingestellt und viele von uns haben bereits ihren persönlichen Mitarbeiter gefunden.
Und doch ist da so eine Ungeduld von vielen Seiten gepaart mit Ängsten wir würden uns als Fraktion gar abwenden, von der Basis ausgrenzen, man höre nichts von uns, ja wir wären gar wie ein Satellit in den Orbit entschwunden.
Zeitgleich wurde mir schmerzhaft bewußt, daß ich als MdL nicht mehr einfach meine Meinung sagen darf, ohne mir dafür Tadel einzuhandeln.
Wie kann ich nur? Schließlich sieht man mich jetzt doch anders, misst meinen Aussagen mehr Gewicht zu.
Als man mich auf einen hohen Platz der Landesliste gewählt hat, war ich unglaublich Stolz für diese Partei bald im Landtag politisch arbeiten zu dürfen – endlich nach einer langen Zeit, in der wir gegen Windmühlen der Ignoranz der Medien und der Überheblichkeit der anderen Parteien angekämpft haben. Ich war Stolz aus unserer Mitte ausgewählt worden zu sein und habe nur das eine Ziel das Beste für das Land und unsere Ziele zu erreichen.
Aber mir ist es mir auch sehr wichtig, daß ich ein Teil von uns Baispiraten bin und als solcher gesehen werde. Basisdemokratie ist eines der Gründe, wehalb ich damals zu den Piraten gekommen bin. Alle sind gleichwertig, alle Meinungen zählen gleich!
Nichtsdestotrotz bitte ich Euch auch weiter um Euer Vertrauen, daß ich Meinungsäußerungen aus meiner Erfahrung in der Partei und letztlich meiner Menschenkenntnis heraus äußere, wenn ich denke, daß diese der Sache dienen. Ich will nicht manipulieren, nein, erst recht bin ich kein „Königsmacher“, ich habe nur ungeschickt versucht, jemanden, der sich Kilometer unter Wert verkauft hat, noch ein bißchen mehr Raum zu geben um von seinen Kenntnissen zu erzählen.
Ich habe im Moment das Gefühl, daß egal was man macht, es entsprechend verdreht negativ interpretiert wird.
Wahrscheinlich sind es nur einzelne – hoffe ich – doch es ist schon eine krude Situation.

Eigentlich wollte ich aber von etwas anderem berichten. Es geht um die beiden letzten Plenartage vor der Sommerpause:
Während dieser Tage passierte etwas, was wir in einer solchen Geschwindigkeit und Dimension nicht für möglich gehalten hätten.
Protokolle
Die Abgeordneten stimmten nicht mehr nach Fraktionszwang einheitlich ab und applaudierten durch die Bänke zu Beiträgen, die ihnen gefielen egal welches Partei mitglied vorne am Pult stand.
Der Landtagspräsident hatte bei den Abstimmungen auf einmal Mühe die Übersicht zu behalten, denn sonst hieß es immer: Mit „ja“ stimmten die Fraktionen x und y, mit „nein“ stimmten die Fraktionen a und b, Fraktion c enthält sich.
Jetzt aber: Äh, ich stelle fest, daß Fraktion a und Teile von b und c für „ja“ stimmen und da sehe ich „nein“ Stimmen bei a und c und wohl auch einige Enthaltungen usw. usw.
Das war ein großer Augenblick, ich schaute in die Runde der Parlamentarier, sah wie sie alle sichtlich Freude an der Sitzung hatten und hatte feuchte Augen.
Sicher wird es nicht immer bei zukünftigen Abstimmungen so sein, aber es war ein Anfang, ein erster Schritt in Richtung selbstbestimmter, mitdenkender Abgeordnete.
Es ist ein wesentliches Ziel unserer Arbeit, daß fraktionsübergreifend die bestmögliche Lösung gefunden wird und dafür sind die ersten Dinge bereitet.
Euer kleiner Satellit, der doch weiter mitten unter Euch weilt, bewegt etwas.
Wir sind gespannt wie es weiter geht!

Stellenausschreibung persönlicher Mitarbeiter

Kennziffer: 24-001

Zur Unterstützung meiner parlamentarischen Aufgaben suche ich, Simone Brand, baldmöglichst einen persönlichen Mitarbeiter beliebigen Geschlechts als erweitertes Gehirn, rechte Hand, Ordnungs-Mentor, Rückenfreihalter, Organisator, Arbeitwegschaufler, Zuarbeiter, Koordinator etc. – keinen Assistenten, sondern einen Mitstreiter.

Folgende Aufgaben werden auf Dich zukommen:

  • Administrative Tätigkeiten wie allgemeine Schreibarbeiten, telefonische und schriftliche Anfragenbearbeitung;
  • Organisation, Terminkoordination, Veranstaltungsplanung;
  • Strukturierung von Arbeit, selbständige Organisation eines MdL, Literaturrecherche;
  • Pressearbeit
  • Aufbereitung wichtiger Anfragen und Informationen;
  • Unterstützung bei allen Aufgaben, die im Zuge der Mandatstätigkeit anfallen.

Ideal wären folgende Eigenschaften und Kenntnisse:

  • ausgeprägte Kommunikations- und Organisationsfähigkeit sowie einen strukturierten selbständigen und effizienten Arbeitsstil;
  • Einen kommunikativen, team- und zielorientierten Arbeitsstil;
  • Gute Umgangsformen und kommunikative Fähigkeiten;
  • Fähigkeit zum interdisziplinären Denken und Handeln – Generalist statt Fachidiot;
  • Stets die Nerven und die Ruhe zu behalten, Gelassenheit, Belastbarkeit, Urteilsvermögen, Übersicht im Chaos und turbulenten Zeiten;
  • Sicheren Umgang mit gängigen Computeranwendungen sowie Bereitschaft und Fähigkeit, sich in neue Anwendungen einzuarbeiten.
  • Kenntnisse der Nordrhein-westfälischen Politik, der Inhalte der PIRATEN und politisches Gespür;
  • idealerweise Interesse an den Themenfeldern Verbraucherschutz und Innenpolitik
  • gute Englischkenntnisse – gerne auch eine andere Fremdsprache
  • gesunder Menschenverstand

Parlamentarische Erfahrung wäre ein Pluspunkt. Arbeitsorte werden Düsseldorf und Bochum sein. Zudem können Reisetätigkeiten in NRW und Deutschland anfallen. Teilzeitbeschäftigung ist möglich. Die Entlohnung und Arbeitszeit erfolgt nach Vereinbarung.

Ich biete eine interessante, herausfordernde und abwechslungsreiche Tätigkeit im Zuge meines Mandats im Landtag NRW. Wir werden viele Arbeitswege gemeinsam kennenlernen müssen. Du kommst in keine von mir vorgefertigte Struktur. Dadurch hast du die Möglichkeit dir einen großen Teil deines Arbeitsalltags selbst zu gestalten.

Wir Piraten sind ein bunter Haufen verschiedenster Charaktere, die angetreten sind, vieles an der Art und Weise zu verändern, wie Politik gemacht wird. Wir wollen mutig jede menge Neues probieren, Bewährtes verbessern und Überkommenes abschaffen. Du hast also die Möglichkeit mit uns neue Wege zu finden, zu gestalten, zu verändern und zu verbessern.

Wenn du dir vorstellen kannst, mich mit Freude und Begeisterung bei den auf uns zukommenden Aufgaben zu unterstützen und den Anforderungen weitgehend entsprichst, sende bitte eine aussagekräftige Bewerbung samt Lebenslauf, Arbeitszeugnissen mit Gehaltsvorstellung und der Angabe des frühestmöglichen Dienstbeginns.

per E-Mail in einer einzigen PDF-Datei an

sbrand (ät) piratenfraktion-nrw (punk) de

oder per Post an

Simone Brand

Piratenfraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen

Platz des Landtags 1

40221 Düsseldorf

 

Wie ist denn so die parlamentarische Arbeit?

….wurde ich letzte Woche von einer Journalistin gefragt.
Ich lachte hysterisch auf – innerlich – nach außen gab es ein freundliches Lächeln.
Was wir die letzten 2 ½ Wochen gemacht haben, hat so gar nichts mit parlamentarischer Arbeit zu tun.
Wer denkt, dass man nach dem Einzug in den Landtag Montag darauf anfangen kann politisch zu arbeiten, der hat sich gewaltig geschnitten.
Wir haben ab dem 14.Mai begonnen eine komplett neue Fraktion aus dem Boden zu stampfen vom Startpunkt Zero aus.
Wir hatten nichts, nada außer einem kleinen Raum in den wir mit 20 Piraten gerade so rein passten und  vier Tage später dann zum Glück einen Konferenzsaal, in dem wir mit mehr Luft unsere Sitzungen abhalten.
Ich denke, dass die meisten von uns die Vorstellung hatten, dass wir neben den persönlichen Mitarbeitern zusätzlich noch ein Sekretariats-Team einstellen und gut ist. Weit gefehlt!
Wir werden hier in den kommenden Wochen eine Busladung von Leuten einstellen von der Schreibkraft über den Justiziar bis zum Fachreferenten.
Wir haben uns eine Geschäftsordnung gegeben, brauchen noch eine Finanzordnung und müssen uns entscheiden, wen wir in welche Ausschüsse entsenden.
Die ersten beiden Wochen waren für uns besonders anstrengend, da einige von uns noch arbeiten mussten. Das führte regelmäßig zu Sitzungen bis in die späten Abendstunden – 13 Stunden Tage waren keine Ausnahme.
Ich bin froh, dass wir zwei Interimsgeschäftsführer eingestellt haben, die uns bis Ende August helfen werden die Fraktion auf arbeitsfähige Füße zu stellen. Personalentscheidungen treffen wir letztendlich zwar selbst, aber sie sichten und suchen und machen Vorschläge und haben mit ihrer Erfahrung in der parlamentarischen Arbeit viele Ratschläge und Hilfestellungen zu bieten.
Unsere Sitzungen sind alle hier  zu finden, den link zum stream findet ihr dort auch, ich möchte Euch daher hier nicht mit Details langweilen.
Letztendlich geht die eigentliche „parlamentarische Arbeit“ erst nach der Sommerpause los – ja, find ich auch traurig – die Mühlen mahlen hier langsam. Für uns als Frischlinge gibt es aber dadurch die Chance gut aufgestellt zu sein, bevor es dann richtig losgeht.
Daher bitte ich Euch etwas Geduld zu haben, bevor wir von kleinen und großen Anfragen, von Gesetzesentwürfen und Ausschussergebnissen berichten.
Wir sind herzlich empfangen worden, sowohl von den anderen Abgeordneten, als auch insbesondere von der Verwaltung, wir hoffen auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Der Wille über die Fraktionen hinweg zusammen zu arbeiten, wie es in der Zeit der Minderheitsregierung erforderlich war,  ist bei vielen vorhanden.
Auf geht’s – ich habe ein gutes Gefühl!

mein Weg nach Düsseldorf – 3.Teil

– viel Fernsehen und ein paar Tränen –

Es ist Karfreitag am Nachmittag und ich komme endlich wieder dazu etwas zu schreiben.
Was für eine Woche!
Ich werde Euch nicht langweilen und über jedes Interview und die ganzen anderen Aktivitäten schreiben, die hinter mir liegen, sondern mich auf die Ereignisse konzentrieren, die mich selbst am meisten beeindruckt haben.
Letzten Freitag hatten wir im Wahlkampfbüro in Essen in Form von Nick Leifert und seinem Team das ZDF zu Besuch.
Ich hatte erst keinen Parkplatz gefunden und kam abgehetzt an und da stand er auch schon mitten im Raum und strahlte mich an. Der überaus sympathische erste Eindruck von Herrn Leifert sollte sich im Laufe der nächsten Stunden als nicht falsch erweisen.
Nach einem Rundgang durch die Räumlichkeiten des g2a setzten wir uns mit ihm im Besprechungsraum zusammen.
Seinen ursprünglichen Plan , im Gespräch ein paar O-Töne einzufangen und zum Schluss das Kamerateam dazu zu holen, welches die Wahlkampfaktivitäten in dem anderen Raum abfilmte, veränderte er sehr schnell, nachdem er die ersten Statements von uns gehört hatte. Rasch holte er nach den ersten Minuten sein Team dazu, um von Anfang an zu drehen.
Er hatte schon vor dem Treffen viel von den uns leitenden Grundideen verstanden und stellte daher gute Fragen und hörte sehr interessiert zu. Wir unterhielten uns 1 ½ Stunden und bekamen hervorragend Raum, um unsere Inhalte und Überzeugungen darzustellen.
Am Ende war Herr Leifert tief beeindruckt.
Er hatte wohl nicht damit gerechnet so viele „zeigewürdige“ Aussagen von uns zu erhalten. Mit tiefsten bedauern äußerte er, dass er für den Bericht doch nur 3 ½ Minuten Zeit hätte und er so gerne viele unserer Statements als O-Ton bringen würde.
Ich bemerkte, es wäre dann wohl bald mal Zeit für eine Sondersendung, was er dahingehend kommentierte, das könnte in der Tat bald notwendig sein.
Wir verabschiedeten uns in bestgelaunter Stimmung und ich denke beide Seiten gingen mit einem sehr guten Gefühl aus dem Termin.
Am Nachmittag kam dann der Besuch von der ARD.
Das Ganze lief wesentlich unspektakulärer und routinierter ab. Man wollte nur mit dem „Spitzenkandidaten“ sprechen und so wurde Joachim alleine interviewt. Nach einer knappen Stunde war alles vorbei.
Nach einem weiteren Wochenende mit Infostand, Arbeit und dem Tag der politischen Arbeit, machte sich am Sonntagabend eine erste Erschöpfung bei mir breit. Seit vier Wochen hatte ich kein Wochenende mehr gehabt und ich bin wahnsinnig müde um 21:00 Uhr ins Bett gekrochen.
Montag war mein letzter Arbeitstag in meiner Firma, bevor ich meinen Jahresurlaub antrat.
Ich hatte am Samstagnachmittag bereits einen Beitrag in unser Intranet gestellt, um die Mitarbeiter von meinen Plänen zu unterrichten, was dazu führte, dass im Laufe des Tages immer wieder jemand in der Tür stand um sich zu verabschieden.
Die Supervisoren kamen direkt als ganze Gruppe mit einem riesigen Blumenstrauß und meine Kollegin hatte auch eine nette Überraschung besorgt. Ich hatte mindestens ein Dutzend Mal Tränen in den Augen, der Abschied ist mir nicht leichtgefallen. Viele habe ich damit versucht zu trösten, dass wir ja erst mal die 5% erreichen müssen und ich vielleicht ab dem 14.Mai wieder in meinem Büro sitze. Na, ja daran glauben tut niemand wirklich.
Ab Montag schlich sich dann wider langsam der kleine Troll Adrenalin bei mir ein, denn am Mittwoch sollte das aufregendste Ereignis seit der Nominierung in Münster erfolgen: Mein erster Liveauftritt im Fernsehen hier.
Ich sah am Nachmittag mit Schrecken, dass nun überraschenderweise neben Herrn Müller-Vogg und Herrn Kleinert auch Peter Tauber von der CDU an der Runde teilnehmen sollte.
Planten die ein 3 gegen 1 Szenario? Sollte ich live filetiert werden?
Mit riesen Schritten näherte sich der Mittwochabend und egal ob unter der Dusche, beim Zähneputzen oder beim Autofahren immer wieder stellte ich mir mögliche Fragen und Situationen während der Sendung vor. Der Tag kam und mit Ausschlafen war leider nichts. Ich hatte kurzfristig noch einen Interviewtermin für 10:00 Uhr morgens in Essen gelegt bekommen – egal, mittlerweile schaffen solche Zeitungsinterviews mich vom Stress abzulenken.
Mein Zug kam um 17:49 Uhr. Als ich gerade losgefahren war, bat mich Stefan Urbach per twitter schöne Grüße an Peter Lauber auszurichten und wie das bei twitter nun mal so ist, kommunizierte ich kurz danach mit Peter selbst und ich dachte, so schlimm kann es heute Abend ja gar nicht werden. (Die genaue Erklärung zu Bibern und Ottern bist Du mir noch schuldig, Peter!)
Am Maintower angekommen begrüßte mich eine Dame vom Sicherheitsdienst und sagte: Bitte fahren Sie in die 53. Etage! Schluck! Klar war mir bewusst, dass der Turm hoch ist und ich hatte mir ja schon eine Sendung der Meinungsmacher angeschaut, aber 53. Etage ist ziemlich hoch, für jemanden, der bisweilen etwas Höhenangst hat. (Ich bekämpfe das seit Jahren erfolgreich mit Bungee- oder Tandemfallschirmsprüngen dann und wann – Konfrontationstherapie vom feinsten.)
Oben angekommen werde ich freundlich empfangen und nach einer Begrüßung mit Herrn Müller-Vogg direkt zur Maske befördert. Die Dame dort klagte mir ihr Leid mit der HD-Technik und den größer gewordenen Anforderungen an ihre Schminkkünste. Es ist ja auch wirklich erschreckend, wie verkratert plötzlich manche Leute aussehen, wenn sie in HD gesendet werden.
Zurück in der Lounge traf ich auf die restlichen Teilnehmer der Sendung. Zusätzlich war unser Musikpirat mit von der Partie, was mich sehr erfreute.
Die nächste halbe Stunde unterhielten wir uns ganz entspannt über unterschiedlichste Dinge, aber auch bereits über Piraten, Urheberrecht und wie ich zu der Partei gekommen bin. Alle sprachen mir Mut zu, das wäre alles nicht so schlimm. Peter und ich mussten uns dann, auf Wunsch von Herrn Müller-Vogg, für die Sendung wieder siezen, was schon komisch war.
Fünfzehn Minuten vor Sendebeginn ging es hoch ins Studio. Hier war es ganz ruhig und fast gemütlich. Wir wurden verkabelt und unterhielten uns die ganze Zeit weiter.
Eine Minute vor der Sendung dann kurz wieder der Fluchttrieb, den ich aus früheren Prüfungssituationen kenne. Ich dachte: Ich will hier jetzt sofort raus, was mache ich hier eigentlich!
Wir gingen auf Sendung.
Es ist immer wieder das gleiche bei mir: Nach wenigen Minuten wurde ich ganz ruhig, auch wenn natürlich die Grundspannung während der Sendung anhielt.
Ich hatte das Gefühl für alle Fragen gewappnet zu sein und hatte ein trotziges „Frag mich doch, frag mich doch!“ im Kopf.
Die Situation entspannte sich dann völlig, als Peter Tauber präzise die Problematik des veralteten Urheberechts im digitalen Zeitalter und das Recht auf die Privatkopie erläuterte und er damit in wahrer Piratenmanier argumentierte. Man konnte sich fast entspannt zurücklehnen.
Gegen Ende konnte ich noch die Untersuchungen zu dem Musikerwerb von filesharern platzieren, wonach dann prompt das Thema gewechselt wurde und dann war die Zeit auch schon um. Letztendlich hatten sich die analoge und die digitale Welt gegenüber gesessen, aber nicht, wie ich befürchtet hatte, im Verhältnis 3:1 sondern 2:2. Als die Kameras aus waren, sprach Herr Müller-Vogg Peter Tauber auch direkt darauf an, was das denn jetzt war.
Danach plauschten wir noch alle zusammen eine halbe Stunde bei einem Glas Wein in der Lounge als ob nichts gewesen war.
Fazit: Ein bisschen Aufregung und Adrenalin ist sicher nicht verkehrt vor einem Auftritt, aber macht Euch nicht verrückt, wenn ihr demnächst mal ins Fernsehen müsst – ist alles halb so schlimm, und gebissen wird nur vor der Kamera.
Feuertaufe bewältigt – ich fühle mich gut.
Auf zu neuen Wahlkampftaten!

auf dem Weg nach Düsseldorf – Tag 2 und 3

Ja so schnell kann es gehen. Da nimmt man sich die tägliche Berichterstattung hier im blog vor und schwupp ist Tag 4 und die Zeit rennt und treibt einen vorwärts.
Dienstag stand erst mal nichts an, bis ich dann auf eine sms aus der Nacht reagierte und so von unserem Termin mit der BILD am Nachmittag in Düsseldorf erfuhr.
Nach einigem hin und her war man übereingekommen den Termin mit dem Spitzenquintett durch zu führen, auch wenn zunächst nur unser Spitzenkandidat Joachim wiedermal ran sollte.
Nach dem Einwurf von uns: „Wir fünf oder es kommt gar keiner!“ erklärte man sich einverstanden.
Wir würden gerne die Arbeitsbelastung noch weiter unter uns fünf aufteilen und hoffen bei den nächsten Terminen mit unseren Spezialgebieten, beruflicher Qualifikation oder was auch immer auch als einzelner Teil des Quintetts für ein Interview angefragt zu werden.
Die Arbeitsbelastung für Joachim macht uns Sorge – jede Entlastung täte ihm sicher gut, auch wenn er aktuell vor guter Laune gerade zu sprüht.
Wir trafen uns mit der Journalistin der BILD auf einem Restaurantboot am Düsseldorfer Rheinufer.
Fazit war dann ein Gruppenfoto (ja, hust, mit Kanone und Schatzkiste) und ein Interview, welches vornehmlich doch mit unserem „Spitzenkandidaten“ geführt wurde. Wir saßen allerdings drum herum und warfen hier und da Antworten bezüglich der Fragen zum Programm ein.
Das ganze wird am Freitag veröffentlicht, man darf gespannt sein, was von zwei Stunden Interview letztendlich übrig bleibt.
Während wir noch auf dem Boot saßen, klingelte mein Handy. Der Bundespressesprecher fragte, was ich denn so am Donnerstagabend vorhätte, man suche noch jemanden für Maybritt Illner in Berlin und Herr Rösler und Frau Kraft wären wohl auch dort.
Ja richtig, mein Gesicht verlor in dem Moment trotz der strahlenden Sonne einiges an Farbe und das noch vom Wochenende vertraute Adrenalin meldetet sich wieder und trieb meinen Herzschlag gehörig in die Höhe.
Ich erklärte mich bereit. Irgendwann ist ja immer das erste Mal und wenn es denn so sein soll, dann bitte schön.
Etwas später hatte ich dann ein längeres Gespräch mit einer Dame aus der ZDF-Redaktion. Wir verblieben so, dass wir am nächsten Tag noch einmal final meine Teilnahme klären wollten.
Der Abend war entsprechend konfus. Die ganze Zeit schwirrten mir Ideen durch den Kopf, was ich alles sagen würde in der Sendung und wie sich ein worst case scenario gestalten könnte.
Vom souveränen Durchmarsch bis zu „mein größter fail im Wahlkampf“ spielte ich alle Möglichkeiten immer wieder durch.
Am nächsten Vormittag gab es dann die vorläufige Absage. Es hatten so viele Gäste umdisponiert, dass nun das ganze Thema umgestellt worden war und ich thematisch nicht mehr reinpasste. Sie brauchten jetzt jemand mit Parlamentserfahrung und haben sich für Christopher Lauer entschieden.
Wir verblieben bei der Option, dass mich die Redaktion für nachfolgende Sendungen gerne noch einmal kontaktieren kann.
Keine halbe Stunde später war dann auch schon der Hessische Rundfunk auf dem Plan. Ich habe jetzt am 4.April um 21:45 Uhr meine erste Live-Talkshow zum Thema Piratenpartei.
Letztendlich fühle ich mich bei der Reihenfolge der Termine nun doch wohler. Nicht das ich auch vor der Talkshow beim HR gehöriges Lampenfieber haben werde, aber es ist mit dem Thema Piratenpartei doch ein sicheres Terrain und für meinen ersten Fernsehauftritt sicher besser als die ZDF-Talkrunde.
Gestern Abend betrat ich das erste Mal unser neues Wahlkampfbüro. Es ist großartig! Ein anonymer Spender stellt uns bis zur Wahl großzügige Räumlichkeiten in Essen-Steele zur Verfügung.
Wir haben genug Platz für unsere Wahlkämpfer, die PC´s, Telefone und Drucker stehen bereit.
Ein Besprechungsraum und eine Dachterrasse runden das Bild ab.
Wenn ich da an unseren Wahlkampf 2010 denke, oh wow, was für ein Unterschied. Wir haben damals in einer kleinen Privatwohnung gesessen, in der bis unter die Decke Kisten mit Flyern standen und am Esstisch mit Küchenwaagen die Flyer Pakete abgewogen.
Na, ja das mit dem Flyer abwiegen machen wir heute auch noch so, aber ansonsten unterscheidet sich das doch schon gewaltig von dem letzten Wahlkampf.
Beeindruckt bin ich auch von den ganzen Menschen, die hier aktiv sind, die meisten davon agieren im Hintergrund, sie designen, formulieren, transportieren, installieren und und und und
An dieser Stelle schon einmal ein erstes dickes Dankeschön an alle!
In meiner Firma wird es langsam ernst. Zwei Kolleginnen standen in den letzten beiden Tagen schon bei mir im Raum und hatten Tränen in den Augen und als ich eben vor einer ersten Gruppe von Mitarbeitern saß, die ich informiert habe, ging es mir genauso.
Ich habe meine Arbeit sehr gerne und auch wenn ich mich unglaublich freue, wenn wir es schaffen in den Landtag einzuziehen, so gehe ich doch mit einem lachenden und einem weinenden Herzen aus meinem Unternehmen.
Morgen haben wir dann erst ZDF und dann ARD in unserem Wahlkampfbüro G2 – ich werde berichten!